Azoren

Zehn Tage auf den Azoren. Mit sehr vielen Blauwalen. Und mit Richard Sears. Richard Sears ist Blauwal-Forscher, er hat die gesamte Forschung in diesem Bereich überhaupt erst erfunden und verbringt seit vierzig Jahren einen Großteil seines Lebens im Schlauchboot. Auf den Azoren durfte ich ihn eine Woche begleiten, und ich habe dabei sehr viel gelernt: Zum Beispiel, wie irre kleinteilig und mühsam es ist, etwas zu erforschen, das man nur alle zehn Minuten mal für ein paar Sekunden sieht. Auch, wie unfassbar wenig man trotz vierzig Jahren Forschung eigentlich weiß. Und vor allem, mit welcher wahnsinnigen Ausdauer, Energie und Neugier Richard Sears trotzdem einfach weiter forscht. Mich macht das alles auch jetzt, wieder zu Hause, immer noch ein bisschen sprachlos. Auf der Walseite habe ich versucht, das trotzdem mal aufzuschreiben. Es ist etwas länger geworden, enthält zur Auflockerung aber auch viele schöne Bilder und Videos.

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München Tourismus

Ich arbeite ja jetzt seit gut einem Jahr bei der Landeshauptstadt München, und neben ein paar Verwaltungs-Basics, die ich erstmal lernen musste, habe ich den Großteil dieses Jahres vor allem damit verbracht, zusammen mit neuen und alten Kollegen einen ganzen Haufen toller Texte, Bilder und Videos zu produzieren, in ein CMS zu laden und daraus eine schöne neue Tourismus-Seite für die Landeshauptstadt München zu bauen. Bislang gab es nämlich noch keine. Das war insgesamt alles recht viel Arbeit und hat durchweg großen Spaß gemacht, und jetzt ist die schöne neue Tourismus-Seite also fertig und online, und ich hoffe sie macht allen anderen ebenso große Lust auf München wie mir. Denn obwohl ich jetzt schon seit zehn, zwölf Jahren hier lebe, habe ich zuletzt doch immer wieder mal gedacht, dass ich bislang womöglich nur einen Bruchteil von München gesehen / gemacht / erlebt habe, und dass mein nächster Urlaub daher unbedingt mal in München stattfinden muss. Theresa sagt das übrigens auch, und die ist sogar hier geboren.

www.einfach-muenchen.de 
www.simply-munich.com

 

 

PS: Vielen Dank an die neuen Kollegen bei München Tourismus sowie an Oliver, Heike, Frank, Jakob, Paul-Philipp und alle anderen bei Nansen & Piccard, Redline, infomax und Arithnea. Außerdem ein dickes High Five an Manuel.

PPS: Ein großes Bier außerdem auf Heiko, mit dem ich vor ein paar Jahren im Biergarten noch darüber gesprochen hatte, dass München doch eigentlich mal eine schöne Tourismus-Seite gebrauchen könnte und der mir dann ein paar Monate später einen Link schickte, dass die Stadt München jetzt eine Tourismus-Seite aufbauen möchte und da noch jemanden sucht, der das übernimmt. Sachen gibt‘s!

69° Nord

Tageslicht von 11 bis 14 Uhr, klirrende Kälte, eisiger Wind, tagsüber Wale, nachts Polarlichter: drei Wochen in Tromsø, Skjervøy, Senja und Andenes. Zu den Bildern

Dolomiten

Ich hatte im April schon mal ein paar Murmeltiere gesehen, irgendwo auf einer Wanderung. Da Murmeltiere gern sechs bis neun Monate pro Jahr Winterschlaf halten, hatte ich allerdings nicht so richtig damit gerechnet, ihnen im April zu begegnen. Sie liefen da aber putzmunter herum, und ich hatte also keine Kamera dabei und habe mit dem Handy eine weitläufige Geröll-Wiese fotografiert, auf der man mit Mikroskop und gutem Willen eventuell ein paar Murmeltiere entdecken kann. 

Der September dagegen ist eine sehr gute Murmeltier-Zeit. Und die Lavarella-Hütte in den Dolomiten ist eine sehr gute Murmeltier-Gegend. Sie wohnen da in großer Zahl direkt hinterm Haus. Die Lavarella-Hütte liegt im Fanes-Park auf gut 2.000 Metern Höhe, man kann dort ganz phantastisch und stundenlang in jede Richtung herumwandern, die Wege heißen 7, 10 oder 12, alles total übersichtlich, morgens gibt es Wander-Müsli, nachmittags Buchweizen-Schoko-Torte, abends ein Speck-Brett mit Graukäse und spät abends dann Latschenkiefer-Schnaps, man kann sich da schon wirklich ein paar Tage bestens beschäftigen. 

Und direkt vor der Tür also überall Murmeltiere. Manchmal sind wir nur wenige Meter pro Stunde vorangekommen, weil ich ständig anhalten und Murmeltiere angucken und fotografieren musste. Und wenn dann zwischendrin noch irgendwo mal ein spätsommerliches Edelweiß herumstand, war an ein planvolles Weiterwandern fast überhaupt nicht mehr zu denken. Theresa setzt sich dann meistens einfach irgendwo in die Sonne und hat dann immer sehr viel Geduld mit mir. Man hat auf der Hochalm rund um die Lavarella aber wirklich auch überall einen ganz hervorragenden Blick. Ein sehr guter Ort zum In-der-Sonne-sitzen.

Die Kühe wurden übrigens am Tag unserer Ankunft allesamt zurück ins Tal getrieben, in dieser Hinsicht gab es daher keine weiteren Vorfälle, kuhtechnisch hatten wir komplett freie Bahn. Einzig ein paar Ziegen liefen noch oben auf der Alm herum. Eine von ihnen hat ein paar mal böse zu uns rüber geschaut und ist uns auch eine Weile meckernd hinterher gelaufen. Wir hatten die Situation aber jederzeit unter Kontrolle.

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Benediktenwand

Ich wollte schon seit einiger Zeit wirklich sehr dringend zur Benediktenwand. Hier hat man nämlich ganz hervorragende Chancen, Steinböcken zu begegnen, und das geht normalerweise ja nur in Gebieten, in denen Spaziergänger wie ich nichts zu suchen haben. Die Benediktenwand jedoch liegt mitten in den bayerischen Voralpen, keine Stunde von München entfernt. Dass es hier Steinböcke gibt, ist ein bisschen ungewöhnlich - ich habe das nachgelesen: 

Ende der 50er verirrte sich ein etwas eigenbrötlerischer Jungbock aus den Schweizer Alpen aus Versehen bis hierher. Und dann ging er nicht mehr weg. Er blieb so lange, bis die Menschen Ende der 60er sicher waren, dass er es ernst meinte - und ihm daher ein paar weitere Steinböcke aus den Schweizer Alpen zuführten, damit er nicht mehr so allein war. Das kam gut an. Nach einer Weile bevölkerten um die 120 Steinböcke die Benediktenwand. 

Die Population schwankt immer ein bisschen, derzeit sind es zwischen 70 und 80, die Benediktenwand ist sehr steil, ab und an stürzt einer ab, auch Inzest ist ein Thema bei einer so kleinen Gruppe, insgesamt scheint es den Steinböcken an der Benediktenwand allerdings recht gut zu gehen, was natürlich auch kein Wunder ist angesichts dieser prachtvollen, mächtigen Bergwand, die da einfach so aus dem Nichts senkrecht nach oben ragt. 

Ich hatte vorher ein bisschen Zweifel, ob ich da jetzt wirklich rauf will. Einerseits hatten wir die Steinböcke schon gleich am Anfang gesehen, warum sich also noch groß abmühen? Außerdem wandere ich sonst eher auf mittelgroßen Hügeln herum, die Benediktenwand jedoch kommt an der Tutzinger Hütte schon ziemlich direkt zur Sache. Andererseits: Man kann ja auch nicht den ganzen Tag auf der Hütte sitzen und Kaiserschmarrn essen. Den muss man sich schon verdienen.

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Ehrwald

Seebensee, Drachensee, Heiterwangersee, Plansee, Eibsee - am Wochenende ein paar Seen rund um die Zugspitze getestet. Alle sehr schön. Außerdem mehrfach über blumige Almwiesen voller friedlicher Kühe geschlendert und dabei keinmal attackiert worden. Es geht doch! Zu den Bildern

Berchtesgaden

Wir sind am Wochenende beim Wandern von einer Kuh angegriffen worden. So richtig angegriffen. Von einer ganz normalen Alm-Kuh mit einer ganz normalen Alm-Kuh-Glocke um den Hals. Sie hatte schon von weitem ein bisschen ernst geschaut. Als wir näher kamen, begann sie vehement zu blöken. Und zwar nicht friedlich und gemütlich, sondern wütend und genau in unsere Richtung. Es war klar, dass sie uns meinte. Sonst war da niemand. Nur diese Kuh und wir. Und je näher wir kamen, desto aggressiver blökte sie herum. Mit gesenktem Kopf und scharrenden Hufen. Wir mussten da aber lang und wollten uns nicht beeindrucken lassen. Ist ja nur eine Kuh. Das hat sie wahrscheinlich noch wütender gemacht.

Sie stand so ein bisschen oberhalb vom Weg und musste jetzt selbst erstmal schauen, wie sie da am besten runterkommt. Und jetzt kam sie runter. Wir blieben kurz stehen. Sie blieb stehen. Wir zwei Schritte vor. Sie wieder wie irre am Blöken. Wir zwei Schritte zurück. Sie immer noch am Blöken und jetzt endgültig unterwegs. Drei Meter zwischen uns und der Kuh. Sie kam jetzt also wirklich runter.

Ich habe keine Ahnung was genau zu tun ist, wenn eine Kuh wütend auf einen zukommt. Kühe sind friedlich. Kühe sind nie wütend. Wenn in Kanada ein Grizzly auf mich zukommt, oder ein Schwarzbär, dann weiß ich was zu tun ist (Grizzly: klein machen, schüchtern und unauffällig zurück, dem Grizzly das Gefühl geben, dass er der Chef ist und man selbst den Aufwand eh nicht wert; Schwarzbär: groß machen, laut sein, dem Schwarzbär klar machen, dass man selbst der Chef ist und der Bär sich jetzt sofort verziehen soll; es ist in diesem Zusammenhang daher auch nicht unwichtig, einen Grizzly von einem Schwarzbär unterscheiden zu können, Fehler können hier schnell entscheidend sein). Aber was bitte ist zu tun bei einer völlig grundlos wütenden Alm-Kuh, die doch eigentlich nur friedlich in der Gegend herum stehen und mit ihrer Alm-Glocke bimmeln soll?

Wir haben uns dann entschieden, jetzt einfach schnell an der Kuh vorbei zu huschen. Sie hatte das allerdings kommen sehen und kam also noch etwas schneller herunter. Jetzt wie irre und wirklich wütend blökend. Wir huschten vorbei. Sie jetzt auf dem Weg, knapp hinter uns. Ich bin nicht sicher, ob Kühe rennen können, ich dachte immer, sie schlendern nur. Diese Kuh kam jetzt hier aber doch überraschend schnell und bestimmt hinter uns her. Wir huschten noch etwas schneller. Sie beeilte sich jetzt auch. Wir rannten dann also. Vor einer Alm-Kuh davon. Mitten in Bayern. Es ist wie es ist.

Fünfzig Meter bis zum nächsten Gatter. Da kommt sie nicht durch. Sie gibt immer noch alles, stapft wütend und ausdauernd hinter uns her. Wir durch das Gatter. Jetzt gibt sie endlich auf. Ich schwöre, wir sind schon über Hunderte Almen und durch Hunderte Alm-Kühe hindurch gewandert. Und nie, wirklich nie, ist etwas passiert. Immer alles friedlich. Ich weiß nicht, was wir falsch gemacht haben. Das war eine ganz normale Alm mit einem ganz normalen Weg und ganz normalen Kühen. Und dieser einen Irren. Vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Tag. Kommt ja vor. Und wir haben ja überlebt.

Von diesem Vorfall abgesehen, kann ich ein paar Tage in Berchtesgaden (Nationalpark!) wirklich sehr empfehlen! Königssee, Obersee, Watzmann, Gotzenalm, St. Bartholomä, Eiskapelle, Wimbach-Klamm - warum eigentlich überhaupt noch nach Kanada!? 

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Zugspitze

Ich habe neulich gelesen, dass Reinhold Messner bereits mit fünf (!) Jahren seinen ersten Dreitausender bezwungen hat - Dolomiten, Villnöß, Südtirol. Er wurde da offenbar einfach so von seinen Eltern hochgeschleift, zusammen mit einem seiner Brüder. Messner wurde anschließend Extrembergsteiger, der Bruder Psychoanalytiker, die Berge mochte er nicht mehr so, das war also womöglich für beide ein einschneidendes Erlebnis. Bei mir hat das jetzt alles ein bisschen länger gedauert, am Ende fehlten 38 Meter, und überhaupt konnte man mit Zahnradbahn und Gondel rauf - trotzdem, die Zugspitze, der höchste Berg Deutschlands, 2.962 Meter: mein erster Fast-Dreitausender, trotz Höhenangst. Ich bleibe dran.

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Walreise

Der Plan war, mal ein paar Monate lang Wale anzuschauen. Und dabei so lange nach Westen zu fliegen, bis wir wieder zuhause sind. Weiterlesen

Australien

Ich bin normalerweise ja nicht so der Strand-Typ: Beim In-der-Sonne-liegen wird mir nach einer halben Stunde langweilig, außerdem bekomme ich superschnell Sonnenbrand und dieses ewige Eincremen nervt natürlich auch. Wir sind zum Ende unserer Reise jetzt trotzdem nach Australien gefahren.

Zum einen, weil man da um diese Zeit ganz hervorragend Wale anschauen kann, und darum ging es ja die ganze Zeit schon, und zum anderen dachte ich, dass es vielleicht eine ganz gute Idee ist, zum Ende so einer langen Reise auch einfach mal ein bisschen am Strand zu sitzen und aufs Meer zu schauen.

Wir sind also knapp drei Wochen lang die australische Ostküste entlang gefahren und haben von Hervey Bay bis Sydney alle verfügbaren Strände angeschaut und ausprobiert, und ich habe dabei festgestellt, dass so ein paar Wochen am Strand schon wirklich sehr, sehr okay sind.

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